Rot-Grüne Gedanken Juli 22

Sommer ist Fussballzeit

Sommer ist Fussballzeit – so auch dieses Jahr. Aber anders als in anderen Jahren, läuft diesen Sommer Frauenfussball. Mit der EM in England läuft momentan wohl das grösste europäische Frauenfussballturnier, das es bisher gegeben hat. Denn der Frauenfussball hat in den letzten Jahren enorm vorwärts gemacht: Es gibt mehr Spielerinnen, die von ihrem Lohn leben können, die Spiele sind besser geworden und es wird immer mehr berichtet – auch in Mainstream-Medien. Die letzte Saison der Frauen-Championsleague hat einen Zuschauer*innenrekord am anderen gebrochen und erstmals wird bei dieser EM jeden Tag ein Spiel übertragen. Es wurden also in den letzten Jahren wichtige Schritte Richtung Gleichstellung gemacht. Doch am Ziel sind wir noch längst nicht: Professionelle Fussballerinnen spielen häufig nicht in den grossen Stadien, vor wenig Publikum und nach wie vor werden wenig Spiele übertragen. Und während zum Beispiel der bestverdienende Fussballer 2021 (Cristiano Ronaldo) 125 Millionen Dollar verdiente,[1] erhielt die bestverdienende Fussballerin (Carli Lloyd) im gleichen Zeitraum nur gut 500'000 Dollar.[2] Bei Sponsorenverträgen und auch Turnierprämien sieht es ähnlich aus. Dabei stelle ich mir aber immer wieder die Frage: Wollen wir das? Wollen wir, dass Fussballerinnen auch so absurd viel verdienen wie Fussballer? Wollen wir, dass Frauenfussball genauso kommerzialisiert wird, wie Männerfussball? Wollen wir, dass Ölscheichs ihr Geld mit Frauenfussball verdienen, während sie in Saudi-Arabien oder den Emiraten die Rechte der Frauen mit Füssen treten? Dass Fussballer*innen nur bei ihrem Club spielen, weil sie dort am meisten Geld verdienen?

Für mich ist klar: Die Antwort auf diese Fragen lautet nein. Klar, es braucht Repräsentation. Doch wichtiger wäre es, im Breitensport vorwärts zu machen. Denn auch dort ist noch nichts mit Gleichstellung: Viele Vereine haben noch immer keine Frauenabteilung, Frauenmannschaften und Juniorinnen trainieren und spielen auf schlechteren Plätzen oder müssen Trainingspausen einlegen, weil sie in Ausnahmefällen oder im Winter gar keine Plätze erhalten. Für Mädchen ist die Hürde, Fussball zu spielen, nach wie vor viel grösser als bei Jungs und noch immer sind Vorurteile gegen Fussballerinnen weit verbreitet. Sind nicht das die Probleme, die gelöst werden müssen? Wir sollten kämpfen für mehr Gleichberechtigung und Inklusion auf dem Fussballplatz im Quartier, nicht für höhere Millionenbeträge für Wenige.

[1] https://www.wiwo.de/erfolg/trends/forbes-ranking-das-sind-die-zehn-bestbezahlten-fussballer-2021/27310478.html)

[2] https://sportytell.com/soccer/highest-paid-female-soccer-players/