Kurioses Objekt auf dem Europaplatz gesichtet
Am Samstagnachmittag tauchte mitten auf dem Europaplatz ein Kinderwagen mit einer riesigen Bahnhofsuhr auf. Was steckte dahinter?
Auf dem Europaplatz stand ein Kinderwagen mit einer Bahnhofsuhr, gestellt auf fünf vor zwölf. In regelmässigen Abständen ertönte die Durchsage “Herzlichen Glückwunsch zu ihrem Kind. Wir wünschen Ihnen angenehme zwei Wochen Urlaub. Bitte denken Sie daran, anschliessend wieder zu Ihrem gewohnten Arbeitsplatz zurückzukehren.” [...] Damit wurden Passant*innen auf die Problematik der heutigen Ausgestaltung und Dauer des Mutter- und Vaterschaftsurlaub hingewiesen, sie reagierten überrascht, machten Bilder und diskutierten.
Denn das heutige System - von zwei Wochen für Väter und 14 Wochen für Mütter – schützt die patriarchale Vormachtstellung und das bürgerliche Familienbild. Es ist Fakt, dass nach einem Mutterschaftsurlaub die Mütter tendenziell für Jahre der Arbeitswelt fernbleiben und schwer wieder einen Einstieg finden. “So werden FINTAs nach hartem Kampf für die Gleichstellung, trotzdem systematisch in die häusliche Dimension gezwungen.” sagt Daria Semenova, Co-Präsidentin der JUSO Stadt Zürich.
Die Erziehung eines Kindes ist nicht die alleinige Aufgabe der Mutter. Es ist die Aufgabe beider Elternteile ein Kind zu erziehen und die damit einhergehende zusätzliche unbezahlte Care-Arbeit zu leisten. Deshalb sind zwei Wochen Vaterschaftsurlaub ein Affront gegenüber einer gleichgestellten Erziehungspraxis. Eine zweijährige, frei aufteilbare Elternzeit würde dieser Ungleichheit Abhilfe schaffen, da die Eltern über zwei Jahre selbst entscheiden können, wer und wann sich um das Kind kümmert.
Wenn die Eltern ihre Zeit frei einteilen können, gibt dies eine zweijährige Sicherheit, wenn nötig der Arbeit fernzubleiben und sich um das Kind zu kümmern, ohne mit möglichen Folgen wie einer Kündigung konfrontiert zu werden.
Aktivist*innen der JUSO Stadt Zürich fordern mit ihrer Aktion eine zweijährige Elternzeit. So können die Eltern in dieser Zeit frei entscheiden, wer, wann und wie lange der Arbeit fern bleibt.
Remo Perret (Vorstand JUSO Stadt Zürich)
Daria Semenova (Co-Präsidium JUSO Stadt Zürich)