Aufarbeitung Belästigungsvorwürfe Gemeinderat Rüschlikon

21.04.2026

Es reicht nicht aus: Nach plötzlichem Schweigen fordert die JUSO Aufarbeitung im Fall Makay

Gegen den abgewählten Rüschlikoner Finanzvorsteher David Makay wurden Vorwürfe wegen Belästigung erhoben - die JUSO Stadt Zürich fordern echte konsequenzen.

Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Rüschlikoner Finanzvorsteher David Makay sind gravierend und sie sind seit Jahren bekannt. Bereits 2023 wurde ein externer Bericht erstellt, der auf Gesprächen mit Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung sowie Behördenmitgliedern basiert. Dieser kommt zum Schluss, dass sich die geschilderten Vorfälle «mit überwiegender Wahrscheinlichkeit grösstenteils in etwa wie beschrieben zugetragen» haben.
Es handelt sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um eine Vielzahl ähnlich gelagerter Grenzüberschreitungen im Kontext eines Machtverhältnisses. Die externe Fachstelle hielt fest, dass ein Rücktritt aufgrund des massiven Vertrauensverlusts «unausweichlich» sei.
Trotz dieser Einschätzung blieb Makay im Amt. Über Monate hinweg geschah politisch wenig. Erst Anfang 2026, kurz vor den Wahlen, wurden Teile der Vorwürfe öffentlich. Der Gemeinderat reagierte zunächst mit einer Verwarnung, während gleichzeitig innerhalb der Behörden Uneinigkeit über den Umgang mit dem Fall sichtbar wurde.
Makay selbst wies zentrale Vorwürfe zurück und hielt zeitweise an seiner erneuten Kandidatur fest.
Für uns ist klar: Dieses Vorgehen zeigt ein strukturelles Problem.
«Es ist unerträglich, dass Betroffene jahrelang mit diesen Erfahrungen allein gelassen werden und dass das Thema nach den Wahlen plötzlich keine Rolle mehr spielt», sagt Jan Suter, Co-Präsident der JUSO Stadt Zürich.
Besonders enttäuschend ist für uns als JUSO, dass das Thema seit den Gemeinderatswahlen weitgehend aus der öffentlichen Diskussion verschwunden ist, sowohl auf Ebene der Gemeinde als auch medial. Ein Fall dieser Tragweite darf nicht einfach unter den Teppich gekehrt, sobald der unmittelbare politische Druck nachlässt.
«Dieses Schweigen ist bezeichnend für den Umgang mit solchen Vorfällen. Betroffene werden nicht ernst genommen und der Antrieb für Aufarbeitung scheint weniger ihr Schutz zu sein als die Angst vor einem schlechten Bild während der Wahlen», sagt Alexandra Zeidler. Co-Präsidentin der JUSO Stadt Zürich.
Wenn ein Bericht bereits 2023 zu so deutlichen Schlüssen kommt und dennoch keine unmittelbaren Konsequenzen folgen, dann geht es nicht mehr nur um individuelles Fehlverhalten. Es geht um institutionelles Versagen. Es geht um Strukturen, die Betroffene nicht schützen und Verantwortliche zu lange im Amt halten.
Dass als Reaktion schliesslich politische Konsequenzen wie eine Verwarnung, eine Abwahl oder ein Rücktritt folgen, reicht nicht aus. Verantwortung endet nicht mit dem Verlust eines Amtes.
Die JUSO Stadt Zürich, Zürichsee, Limmattal und Säuliamt fordert deshalb:

  • Eine lückenlose und transparente Aufarbeit ung, insbesondere auch des Umgangs mit den Vorwürfen seit 2023
  • Klärung politischer Verantwortung innerhalb des Gemeinderats und der Verwaltung
  • Unabhängige, niederschwellige Anlaufstellen für Betroffene in kommunalen Strukturen
  • Verbindliche Präventions und Interventionsmechanismen bei Machtmissbrauch

Dieser Fall zeigt: Schweigen schützt nicht die Institution, sondern diejenigen, die Macht missbrauchen. Es braucht jetzt mehr als verspätete Konsequenzen. Es braucht strukturelle Veränderungen!

Jan Suter (Co-Präsidentin JUSO Stadt)