5.7 Millionen Personen in der Schweiz verwenden Social Media, dabei lebt ein grosser Teil davon in Zürich. Jeder kennt das Gefühl, wenn man sich eine kurze Pause gönnen möchte, zum Handy greift und eine der dutzenden Social-Media-Apps öffnet. Einige schauen Kochvideos, andere lustige Tiervideos, aber ein grosser Teil, besonders in unserer heutigen Zeit, sieht zu einem gewissen Punkt politisch-verwandte Videos und Posts. Dabei hat man schon eine gewisse Meinung. «Doppelklick» und ein Herz erscheint. Das ist das Anzeichen für den Creator und alle weiteren Personen, die den Post sehen, dass er dir gefällt. Jedoch ist das auch ein Anzeichen für jemanden anderes: den Algorithmus.
Der Algorithmus bestimmt, welches Video du als nächstes sehen wirst und was es beinhaltet. Jetzt stelle ich die Frage: «Wie viel unserer politischen Meinung wird durch Social Media geformt?» Wer recht-lehnende politische Videos ein paar Mal liked, bekommt anschliessend noch 10 weitere. Der Algorithmus möchte dich immer weiter überraschen und eine Reaktion aus dir herausholen, dadurch entsteht dieser Teufelskreis, der zu diesen extremen Meinungen führen kann. Grundsätzlich kann dies in beide politischen Richtungen (rechts oder links) gehen. Jetzt, was hat das für Auswirkungen auf uns? Hier liegt die eigentliche Gefahr. Wenn wir anfangen zu glauben, dass das, was wir täglich auf unseren Bildschirmen sehen, die einzige Realität ist, dann verlieren wir den Blick für das Ganze. Der Algorithmus zeigt uns nicht die Welt, wie sie ist – sondern die Welt, die uns möglichst lange fesselt. Und was fesselt am meisten?
Extreme Inhalte. Wut klickt oft besser als Fakten, besonders in unserer modernen Welt, in der sich Fake News immer weiterverbreiten. Besonders problematisch wird das bei rechten politischen Inhalten. Wenn Migrant*innen pauschal als Bedrohung dargestellt werden, wenn rassistische Aussagen verharmlost oder normalisiert werden, dann bleibt das nicht ohne Folgen. Es verschiebt Grenzen. Was gestern noch klar inakzeptabel war, wird plötzlich normalisiert. Genau so entstehen gesellschaftliche Spaltungen. Natürlich wird niemand wegen eines einzelnen Videos radikal. Aber genau darin liegt die Stärke des Algorithmus: Es passiert schleichend. Ein Video, ein Like, ein weiteres Video und plötzlich wirkt eine einseitige Realität ganz normal. Der Algorithmus verstärkt das immer weiter, weil er nicht fragt, ob etwas wahr oder gerecht ist, sondern nur, ob es Aufmerksamkeit bringt. Deshalb ist es entscheidend, sich bewusst zu machen, wie stark unsere politische Meinung heute beeinflusst wird. Sie entsteht nicht mehr nur durch Gespräche, Schule oder klassische Medien, sondern immer häufiger durch personalisierte Inhalte, die uns genau das zeigen, was wir ohnehin schon glauben wollen. Das macht es bequem, aber auch gefährlich.