Wer in einer Kita arbeitet, trägt jeden Tag eine grosse Verantwortung. Wir begleiten Kinder in ihrer Entwicklung, geben ihnen wichtige Sicherheit und unterstützen sowie fördern sie in ihrem Alltag. Doch wärend die Anforderungen an das Personal stetig steigen, bleiben die Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben unzureichend.
Unbezahlte Überstunden, Pausen mitten in der Kindergruppe und psychische Belastungen gehören für viele Betreuer*innen leider zum Alltag. Kinder brauchen unsere Unterstützung nicht nur dann, wenn genügend Personal anwesend ist. Auch um 18 Uhr muss ihre Betreuung sichergestellt sein. Früher nach Hause gehen ist deshalb oft keine Option. Stattdessen wird länger gearbeitet, dies nicht selten unbezahlt.
Hinzu kommt die emotionale Belastung. Wer täglich Kinder und ihre Sorgen begleitet, nimmt ihre Schwierigkeiten, Anliegen und Schicksale ernst. Nach Feierabend einfach abzuschalten, gelingt deshalb nicht immer.
Der grösste Treiber dieser Belastungen ist der Personalmangel. Immer weniger Fachkräfte müssen immer mehr leisten, diese Rechnung kann auf Dauer nicht aufgehen. Die Folgen sind Stress, Erschöpfung und Überforderung. Darunter leiden nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Kinder. Denn gute Betreuung braucht Zeit, Geduld und Energie. Wer ständig an der Belastungsgrenze arbeitet, kann diesen Ansprüchen immer weniger gerecht werden.
Deshalb braucht es dringend bessere Arbeitsbedingungen. Überstunden müssen konsequent entschädigt und die Löhne erhöht werden. Denn in vielen Kitas mangelt es nicht an Lernenden, sondern an ausgebildeten Fachpersonen. Viele verlassen den Beruf bereits wenige Jahre nach der Lehre, dies auch wegen der tiefen Löhne und der mangelnden Wertschätzung.
Ebenso braucht es einen besseren Betreuungsschlüssel. Heute ist es vielerorts so, dass eine Betreuungsperson für drei- vier Kinder zuständig ist, dabei muss man bedenken, dass Lernende mitgezählt werden, langfristig sollte es unser Ziel sein, dass eine Fachperson für maximal 2 Kinder zuständig ist, Lernende sollten nicht mehr in diesen Betreuungsschlüssel eingerechnet werden.
Das kostet Geld. Doch gute frühkindliche Betreuung darf keine Frage der Sparpolitik sein. Wer bei den Arbeitsbedingungen in Kitas spart, spart auf Kosten der Kinder.
Es ist eine politische Bankrotterklärung, wenn wir ständig die Wichtigkeit der frühkindlichen Bildung betonen, dann aber genau diese im Stich lassen, welche dies ermöglichen.
Damit muss endlich Schluss sein, gute Kinderbetreuung braucht keine schönen Worte, sondern endlich politischen Willen und konkrete Taten!
Gute Kinderbetreuung ist kein Luxus, sondern eine Verantwortung. Es ist höchste Zeit, dass sich diese Verantwortung auch in den Löhnen, im Personalschlüssel und in der Wertschätzung der Arbeit widerspiegelt.