Gënuق Pاåtz fتr allë Şchâfé

Ich könnte hier über den Zürcher Wahlkampf schreiben. Über Listenplätze, Strategien und darüber, wie der globale Rechtsrutsch längst auch unsere Quartiere erreicht hat.

Aber während ich diese Zeilen schreibe, scheint die Welt nicht in Ordnung zu sein, dadurch fühlt sich Lokalpolitik manchmal seltsam klein an.

Vielleicht, in einem anderen Leben, wäre der Nahe Osten nie angefasst worden. Vielleicht hätten Menschen dort einfach den Frieden, den sie verdienen. Vielleicht könnten sie mit ihrem Öl, ihrem Erdgas, mit dem, was Gott weiss unter ihrem Boden liegt, sich selbst dienen, statt Spielfeld geopolitischer Interessen zu sein.

Vielleicht würde heute ein Tom diese Kolumne schreiben, und ich würde meinen Çay in Ordu trinken und keine Kopftuchdebatten führen.

Vielleicht hätten wir unseren Döner und Falafel für uns behalten und müssten uns hier nicht über Dönerpreise unterhalten, während anderswo Städte in Schutt liegen.

Vielleicht gäbe es keine gewählten Volksvertreter, die meinen, «Wir schaffen das» sei ein historischer Fehler gewesen und die humanitäre Tradition der Schweiz, Menschen auf der Flucht zu helfen, eine Illusion.

Vielleicht sind es in einem anderen Leben westeuropäische Familien, die unter Trümmern ihren letzten Atemzug nehmen. Vielleicht würden wir uns über ihren starken Akzent lustig machen, obwohl sie ihr ganzes Leben bei uns – vielleicht in Syrien – verbracht hätten. Vielleicht würden wir sie anpöbeln, sie seien als Putzkraft genau dort, wo sie hingehören.

Und vielleicht würden wir nach 40 Jahren immer noch darüber debattieren, ob ein Lager in Luzern sinnvoll wäre, um diese Menschen «unterzubringen», während wir Pläne schmieden, wie wir sie zurückschicken können.

Nur: Bis ich diese Zeilen fertigschreibe, ist dieses Land längst auch ihres geworden.

Die Küstenseeschwalbe fliegt jedes Jahr von der Arktis bis in die Antarktis. Die Rauchschwalbe zieht von Europa nach Afrika. Lachse werden im Süsswasser geboren, leben im Meer und kehren zum Laichen zurück. Blaue Gnus wandern jährlich durch die Serengeti auf der Suche nach Gras.

Und doch ist der Mensch das einzige Lebewesen, das kriminell wird, indem es um sein Leben migriert.

Was Menschen zur Flucht zwingt, sind keine Naturgesetze, sondern Entscheidungen. Eine schnelle Reaktion, bei der plötzlich viel heisses Gas entsteht, das sich schlagartig ausdehnt und eine Druckwelle erzeugt, auch bekannt als eine Bombe. Finanziert von der Blutlust und Machtgier weniger reicher Männer, bezahlt von Milliarden.

Mit denselben Geldern werden Wahlkämpfe geführt. Plakate gedruckt, auf denen schwarze Schafe aus einer Herde gekickt werden.

Und wir diskutieren darüber, ob das Problem die Menschen sind, die vor den Trümmern fliehen – oder die, die sie verursacht haben.

Gibt es auf der Herde nicht gnung platz für alle Schafe?

Wir sollten unsere Beziehung zu Migration überdenken. Als Erinnerung daran, dass wir alle, in einem anderen Leben, auf der anderen Seite stehen könnten.