JUSO Stadt Zürich will 10’000 Flüchtende aufnehmen

Zehntausende Menschen auf der Flucht sind dem Coronavirus vollkommen schutzlos ausgeliefert. Der Bund hat die Lage für nicht dringlich erklärt und schaut tatenlos zu – jetzt fordert die JUSO die Stadt Zürich auf, mindestens 10’000 Flüchtende direkt aus Moria aufzunehmen.

Allein im Camp Moria auf Lesbos leben derzeit rund 20’000 Menschen – Platz hätte es eigentlich nur für knapp 3000. Die Bilder aus dem Lager sind verstörend. Medizinische Versorgung gibt es praktisch keine, die Hygienebedingungen sind komplett unzureichend. Auf etwa 160 Personen kommt ein WC, für alle Bewohner*innen des Camps gibt es eine einzige Essensausgabe. Regelmässiges Händewaschen ist im Camp unmöglich. Vor wenigen Tagen wurde das Camp Moria unter Quarantäne gestellt – wenn das Coronavirus sich trotzdem verbreitet, droht eine humanitäre Katastrophe. Die JUSO Stadt Zürich fordert deshalb, dass die Stadt Zürich eine Vorbildfunktion einnimmt und mindestens 10’000 Geflüchtete aus Camp Moria evakuiert und in städtischen Infrastrukturen in Sicherheit bringt. «Wir müssen diese Menschen so schnell wie möglich aus der Hölle rausholen, die sie auf Lesbos durchleben, und sie hier in Sicherheit bringen», so Anna Luna Frauchiger, Co-Präsidentin der JUSO Stadt Zürich.

Gemäss der JUSO Stadt Zürich wären die EU und der Bund für die Aufnahme der Geflüchteten zuständig. Auf eine Petition der JUSO Schweiz, welche den Bund aufforderte 10’000 Flüchtende aufzunehmen, folgte keine Reaktion – stattdessen meinte Karin Keller-Sutter an der vorgestrigen Pressekonferenz des Bundes, es bestehe keine Migrationskrise. Deshalb müsse laut der JUSO nun die Stadt Zürich reagieren und Solidarität zeigen. «In Zeiten der Corona-Krise ertönt überall der Ruf nach Solidarität. Doch die Solidarität darf an den Landesgrenzen keinen Halt machen. Deshalb muss die Stadt Zürich auf die Untätigkeit des Bundes reagieren», meint der Co-Präsident der JUSO Stadt Zürich, Nathan Donno. Hier in der Schweiz würden wir uns an die Umstellung ins Home Office gewöhnen, für das Pflegepersonal klatschen und uns solidarisch mit älteren Menschen und anderen Risikogruppen zeigen – während die Geflüchteten in Lesbos um ihr Leben bangen. «Uns ist bewusst, dass es in der Schweiz Menschen gibt, die Angst um ihre Existenz haben», sagt Anna Luna Frauchiger, «doch wir dürfen die Menschen auf keinen Fall gegeneinander ausspielen.» Für die Menschen auf Lesbos gehe es ums schiere Überleben.

10’000 Menschen, würden circa zwei Prozent der Stadtzürcher Bevölkerung entsprechen. Die grösste Stadt der Schweiz verfügt über den Platz, die Infrastruktur und die finanziellen Mittel, um diese Menschen aus ihrer Not zu retten. Die Stadt Zürich soll also nach dem Willen der JUSO eine Vorbildfunktion übernehmen und ein Zeichen setzen mit der Aufnahme von rund 10’000 Geflüchteten aus Griechenland. «Die Stadt kann die Geflüchteten in leerstehenden Hotels oder Wohnungen unterbringen. Wir haben genügend Platz», betont Nathan Donno. Auch andere grosse Städte Europas wie Berlin haben sich dazu bereit erklärt, Flüchtende aus Lesbos direkt aufzunehmen.

Kontakt:

Anna Luna Frauchiger, Co-Präsidentin JUSO Stadt Zürich, 079 842 15 33

Nathan Donno, Co-Präsident JUSO Stadt Zürich, 079 376 28 73

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