Lasst die Jugend Verantwortung tragen

Dieser Text von Lara Can wurde am 25. Oktober im P.S.-Magazin veröffentlicht.

Als sich die JUSO Stadt Zürich zur ersten Sitzung zum Coop-Provisorium beim Hauptbahnhof traf, stellten wir uns vor, was auf diesem Platz alles kreiert werden könnte: Ein Amphitheater, ein autonomes Alterszentrum (AAZ), eine Unterkunft für Obdachlose, eine Badi mit Rutschbahn in die Limmat. Die Liste zog sich ins Unendliche, ins leicht Absurde, in die Träume und Spielereien, die solch ein Ort ermöglicht.

Der Vorschlag aus Filippo Leuteneggers Departement, das Gebäude abzureissen und einen öffentlichen Platz zu schaffen, würde zwar niemandem weh tun. Er verkennt jedoch die Möglichkeit, die Fläche rund um den Hauptbahnhof umzudenken. Diesen Ort, der das Zürcher Stadtbild massgeblich prägt, vom Massenkonsum abzuwenden und in etwas Lebendiges und Kreatives umzugestalten. Jede Billig-Kleider-Kette, jedes Fastfood-Unternehmen ist im Zentrum präsenter als die Jugend, die hier lebt.

 Wir entschieden uns, an der mindestens 50-jährigen Forderung nach einem autonomen Jugendzentrum anzuknüpfen. Dieses Bedürfnis ist noch immer präsent. Die bereits vorhandenen Angebote wie die OJAs oder das Dynamo sind zwar wichtig, gewährleisten jedoch nicht die Autonomie, die wir uns wünschen. Uns Jungen fehlt noch immer die Möglichkeit, niederschwellig unseren Lebensraum mitzugestalten. Der Leistungsdruck und die Anforderungen nehmen stetig zu. Ein Rückzugs- und Freiraum, um dem entgegenzuwirken, fehlt in unserer Stadt. Junge Kunstschaffende finden heute kaum einen Ort, um ihre Arbeiten und Inszenierungen einem breiten Publikum zu zeigen. So werden Projektideen, welche nicht auf dem freien Markt konkurrenzieren können, im Keim erstickt.

 Als Auftakt für unsere Forderung kletterten wir auf das Coop-Provisorium, um ein Transparent mit der Aufschrift: „Dieser Ort kann mehr! Jugendzentrum her!“ anzubringen. Der Prozess zur Ausarbeitung dieser Idee ist damit noch nicht zu Ende. Gerade weil dieser Platz so viel Spielraum öffnet, wollen wir konkret werden. Wir wollen der Bevölkerung ein Bild von unseren Vorstellungen vermitteln.

Das Gebäude, wie es jetzt ist, wäre selbstverständlich nicht geeignet, um einen einladenden Ort zu schaffen. Die fensterlosen Räume müssten hellen Zimmern weichen, die Limmat spürbarer sein. Die Wipkingertreppe im Kreis 10 zeigt, wie ein direkter Anschluss zum Gewässer denkbar wäre. Der Grundriss des bereits bestehenden Gebäudes würde Platz bieten für mindestens drei grosse Säle und verschiedenste, kleinere Arbeitszimmer, die je nach Bedürfnis gestaltet werden könnten. Die Stadt müsste bloss eine grobe Infrastruktur zur Verfügung stellen, die Aufgabe, diesen Raum sinnvoll und kreativ zu füllen, könnte sie ganz der Jugend überlassen. Im Wissen und Vertrauen, dass wir Verantwortung tragen wollen für unsere Stadt und für unsere Gesellschaft.

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