Kein Frühling den Rassisten!

Heute ist der 21. März. Der erste offizielle Frühlingstag im Jahr, bereits gebührlich eingeläutet mit für Zürich fast schon rekordverdächtigen Sonnenstrahlen. Aber heute ist nicht nur der 21. März, offizieller Frühlingsanfang. Heute ist auch der 21. März, internationaler Tag gegen Rassismus. Reden wir doch lieber davon, oder besser noch: davon, dass dieser Tag leider den wenigstens noch etwas sagt.

 

„Ach, Rassismus, das gibt’s doch heute nicht mehr wirklich.“ Diesen Satz hört man immer wieder, immer häufiger, immer überzeugter. Nur leider wird er deshalb nicht wahrer. Rassismus ist kein bedauernswertes Phänomen der Vergangenheit, über das man jetzt mit schwenkendem Zeigefinger richten kann. Rassismus ist die Gegenwart, das Jetzt. Und nicht nur das: Rassismus ist wieder salonfähig geworden. „Ja okay, in den USA vielleicht“, hört man dann, „die haben eh ein bisschen ein Problem mit Rassismus, nicht? Aber Trump ist ja auch nicht mehrheitsfähig.“ Genau. Wie auch die Durchsetzungsinitiative nicht mehrheitsfähig war. Gerade noch so haben wir die Kurve gekriegt, und, machen wir uns nichts vor, es hätte auch anders kommen können. Fast 60% haben schlussendlich nein gesagt, doch was heisst das wirklich? Es heisst, dass 40% ja gesagt haben, 4 von 10 Leuten haben dem Rassismus auf Verfassungsebene zugestimmt. Und warum? Weil sie die Initiative nicht als rassistisch erkannt haben, weil es „Rassismus heute nicht mehr gibt“. Das ist eben das Problem am Rassismus: er kommt immer im Schafspelz. In diesem Fall fast wörtlich. Rassismus wird immer schöngeredet, mit wirtschaftlich sinnvoll, wissenschaftlich erwiesen oder statistisch nachweisbar betitelt. Rassismus wird nie Rassismus genannt, weil es im gesellschaftlichen Gewissen Rassismus heute nicht mehr gibt. Ja, es hat ihn mal gegeben und ja, das war schlimm, aber heute ist es anders. Heute ist es wirtschaftlich sinnvoll, wissenschaftlich erwiesen, statistisch nachweisbar. Und niemand wagt es, Rassismus noch als solchen zu benennen.

Rassismus passiert heute. Er passiert im Ausland, und er passiert hier. Und er wird weiterhin passieren, wenn man Rassismus nicht Rassismus nennen darf. Deshalb: Nennen wir Rassismus beim Namen, kämpfen wir dagegen an, verschliessen wir die Augen nicht. Heute ist Frühlingsanfang. Schauen wir, dass der Rassismus keinen Frühling erfährt, kein Aufblühen, kein Früchtetragen. Auf einen Sommer voller Vielfalt und Freude, ohne Rassismus und Diskriminierung!

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